Rosoli

Auszug aus SchyzKultur - Volkskultur - 5. Januar 2012

 

 

Der Rosoli ist während der Fasnacht in March und Höfen ein Dauerbrenner. Sein süffiges, würziges Aroma erwärmt und erheitert – vor allem, wenn aus einem Gläschen mehrere werden.

Rezept ist und bleibt geheim

Der Rosouli gehört untrennbar zur Ausserschwyzer Fasnacht. Die Herstellung des süffigen Likörs bleibt allerdings besser gehütet als das Bankgeheimnis. Das ist auch bei den Alte Dorfjumpfere Altendorf so.

Er ist von tief dunkelroter Farbe, manchmal rotbraun, würzig im Aroma und meist von sämiger Konsistenz: der Rosouli. Mystisch schimmert er in der Flasche, und wenn er – etwa an einem Fasnachtsumzug von einem Butzi – serviert wird, rinnt er weich durch die Gurgel und verbreitet eine angenehme Wärme im Bauch. Doch nicht nur wegen der Wärme passt der Rosouli in die Fasnachtszeit. Seine gesundheitsfördernde Eigenschaft wurde schon in der Geschichte erwähnt. Dort soll ein Arzt in Padua im 15. Jahrhundert eine Art «Lebenswasser» entwickelt haben. Das Rezept wurde durch Söldner, Weinhändler und/oder Bauern von Italien eingeführt. Es wurde weiterentwickelt und mit verschiedenen Gewürzen experimentiert und verfeinert, so dass längst auch die gute Wirkung auf die Verdauung bekannt ist.

Einheimische Produktion

In der March gehört der Rosouli zur Fasnacht wie die Maske zum Butzi. Etliche Fasnachtsgruppen servieren ihn, so etwa die Ryffe-Lüt in Wangen. Bei den Alte Dorfjumpfere Altendorf ist er sogar das Markenzeichen. Jedes Frühjahr bereitet die Gruppe, die seit 1978 besteht, traditionell den Rosouli für die kommende Fasnacht zu. «Dazu können wir die Militärküche in Altendorf benutzen, wo uns Kippkessel zur Verfügung stehen», erklärt Präsidentin Petra Hiestand aus Reichenburg. 100 bis 150 Liter entstehen nach einem geheimen Rezept auf Basis von gedörrten Kirschen und Schnaps. Die Kirschen werden von einem Landwirt in Altendorf bezogen. An zwei Abenden arbeitet die zurzeit elf Mitglieder zählende Truppe. «Nach dem Abfüllen in 25-Liter-Flaschen lassen wir ihn während des Jahres ruhen», sagt Hiestand.

Jedes Jahr anders

Während der Fasnacht wird der Likör dann in kleine Chiantiflaschen abgefüllt, von wo er gern und oft ausgeschenkt wird. «Obwohl unser Rezept immer das gleiche ist, schmeckt der Rosouli jedes Jahr etwas anders», so die junge Präsidentin. Aber immer müsse er süss sein. Dass das Rezept geheim ist, sei «ein ungeschriebenes Gesetz». Hiestand findet es schön, dass auch in der heutigen kommunikativen Zeit ein solches Geheimnis bewahrt werden kann.

Nicht mehr nur verschenkt

Christian Bruhin von der Mühle in Tuggen stellt den Rosouli gewerbsmässig im Kupferkessi her. Obwohl traditionell verschenkt, hat sich mittlerweile ein kleiner Handel etabliert. Bruhin arbeitet mit grossen Mengen und gibt das Rezept natürlich auch nicht preis. Nur so viel: Die Grundlagen seien immer ähnlich, nämlich Kirschen frisch oder gedörrt, Holunder, Himbeeren, Heidelbeeren, ferner Gewürze wie Sternanis, Zimt und Nägeli, natürlich Zucker und Schnaps, manchmal auch Muskatnuss, Kümmel, Fenchel, gar von Vanille ist zu lesen, je nach Region. Denn nicht nur in Ausserschwyz und Einsiedeln kennt man den Rosouli, auch im Zürcher Oberland, in Nidwalden und im Bündnerland. Dort heisst er Röteli.

Gaumenfreude Praline

Seit einigen Jahren werden mit Rosouli auch Pralinen gemacht. Diese kann man vor allem während der Fasnachtszeit in einigen Bäckereien kaufen. Wer Rosouli mag – und wer mag ihn nicht? – wird auch die leckeren Pralinen gern essen. Für die Pralinen wird ein extra starker Rosouli erzeugt, gleich einem Konzentrat, weiss Christian Bruhin. Dies, damit sein einzigartiges Aroma auf der Zunge zergeht und nicht von der Schokolade dominiert wird.

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